
Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause richtet sich ganz Berlin auf eine Tradition ein, die oft mehr Fragen aufwirft, als sie antwortete: die Sommer-Pressekonferenz des Bundeskanzlers. Auch dieses Jahr betrat Friedrich Merz den Saal der Bundespressekonferenz – und sofort lag spürbare Spannung in der Luft.
Erwartungshaltung im Berliner Hochsommer

Die Ausgangslage konnte kaum kontrastreicher sein: Noch im vergangenen Jahr taumelte die schwarz-rote Koalition von Krise zu Krise, jetzt präsentiert sie sich als vermeintliche Reformkoalition . Zwei Wochen intensiver Verhandlungen haben ein Maßnahmenpaket hervorgebracht, das von Steuer- bis Sozialpolitik reicht. Doch die Umfragewerte bleiben verhalten, während die Opposition jede Gelegenheit nutzt, die Glaubwürdigkeit des Kanzlers infrage zu stellen.
Vor diesem Hintergrund sammelten sich mehr als 250 Hauptstadtjournalist:innen im traditionsreichen BPK-Saal. Die Fragen, so war es zu hören, sollten von der schleppenden Konjunktur bis zu den anstehenden Landtagswahlen im September reichen – Themen, die Merz’ Team minutiös antizipiert hatte. Dass der Kanzler dennoch ohne Teleprompter und mit nur einem schmalen Notizblock erschien, wirkte wie eine bewusste Pose der Souveränität.