Hitzewelle: Was bringt es wirklich, eine gefrorene Flasche vor einen Ventilator zu stellen?

Hitzewelle: Was bringt es wirklich, eine gefrorene Flasche vor einen Ventilator zu stellen?

 

Wenn die Temperaturen steigen und es in der Wohnung unerträglich heiß wird, greifen viele zu einfachen, selbstgemachten Kühltricks. Einer der beliebtesten ist, eine gefrorene Wasserflasche vor einen Ventilator zu stellen, um so ein improvisiertes Kühlsystem zu schaffen.

Die Idee klingt fast zu schön, um wahr zu sein: eine günstige Alternative zur Klimaanlage, die nichts weiter als einen Ventilator und eine Flasche Eis benötigt. Aber funktioniert das wirklich?

Die Antwort lautet ja – aber nur bedingt.

Eine gefrorene Flasche kann zwar den Luftstrom eines Ventilators kühler erscheinen lassen, aber sie verwandelt einen herkömmlichen Ventilator nicht in eine Klimaanlage. Um das zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die physikalischen Grundlagen von Ventilatoren und Eis.

Warum fühlt sich die Luft kühler an?

Ein herkömmlicher Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht direkt. Stattdessen bewegt er Luft über die Haut und trägt so dazu bei, dass Schweiß schneller verdunstet.

Durch diesen Verdunstungsprozess wird dem Körper Wärme entzogen und ein Gefühl der Kühlung erzeugt.

Wenn man eine gefrorene Flasche vor den Ventilator stellt, tritt ein zweiter Kühleffekt ein.

Beim Schmelzen nimmt Eis Wärme aus der Umgebungsluft auf. Wissenschaftler bezeichnen dies als Schmelzwärme. Während des Schmelzvorgangs kann Eis eine beträchtliche Menge an Wärmeenergie aufnehmen, ohne dass sich seine Temperatur ändert.

Die Luft, die in der Nähe der gefrorenen Flasche vorbeiströmt, kühlt sich etwas ab, bevor sie Sie erreicht.

Deshalb fühlt sich die Brise frischer an als die Luft, die nur vom Ventilator erzeugt wird.

Der Effekt ist jedoch stark lokal begrenzt. Die Kühlung ist hauptsächlich im direkten Luftstrom spürbar und nicht im gesamten Raum.

Wie viel Kühlwirkung hat Eis tatsächlich?

Ein Kilogramm Eis absorbiert beim Schmelzen etwa 334 Kilojoule Energie.

Wenn eine gefrorene Flasche innerhalb von zwei Stunden schmilzt, entspricht der durchschnittliche Kühleffekt ungefähr 46 Watt.

Um das in Relation zu setzen: Selbst eine kleine tragbare Klimaanlage liefert typischerweise Tausende von Watt Kühlleistung.

Das bedeutet, dass der Trick mit der Flasche und dem Ventilator zwar eine Zone kühlerer Luft um eine Person herum erzeugen kann, aber die Temperatur eines ganzen Raumes nicht wesentlich senken kann.

Wände, Möbel, Fußböden und Decke speichern und geben den ganzen Tag über Wärme ab.

Die größte Überraschung kommt jedoch, wenn man bedenkt, woher das Eis eigentlich kommt und wie sich das auf den gesamten Energieverbrauch auswirkt.